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K.Kottmann/D.NeuhausRed Fade David BadeS. Huzikiewiz / K. NiggemannJeong/Lee 

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Zu tun hat man es in der Vorderansicht mit einem weißen Raum – im transparenten Glasraum des Pavillons; die Wände, nicht deckenhoch, sind auf den Boden nur aufgestellt, unten dickwandiger und leicht gerundet nach oben schmaler werdend; wie Formteile, U-förmig so gut es geht zusammengestellt; die offene Seite nach vorne wirkt wie im Schnitt – Raumfragment, vor dem man steht? Jedenfalls eine Schale, eine leere weiße Raumschale ohne ausgestellten „Inhalt“. Dann muss diese Schale die Wand und die Skulptur gleichzeitig sein. Skulpturwand/Wandskulptur. Es geht gar nicht um die kühle Erhabenheit in einem museumsweißen U-Raum. Diese „Aura“ stellt sich auch nur widerwillig ein, man hatte es schon vorher gespürt, aber vielleicht erst noch als Schwäche des Werkes verstanden. Aber falsch; die Wand ist das Werk in U-Form und stellt sich selber aus; dann müssen Vorder- und Rückseiten der Wand auch „ästhetisch“ wahrgenommen werden – oder? Es ginge gar nicht so sehr um den entstandenen künstlichen Innenraum, sondern um das, was ihn skulptural formiert. Also die weiße Kunst-Schale genauer betrachten, zum Beispiel von der Seite; geht aber nicht richtig, weil sie zugebaut ist durch eine andere Wand; OSB-Brettchen-Wand, zusammengesetzt zu einer provisorischen aber akkurat geometrisch geordneten Relief-Wand-Bild, Spannplatten-Material-Bild-Wand; günstige Rohbauästhetik aus dem Baumarkt, seit einiger Zeit als „schön“ empfunden aufgrund der expressionistischen Materialornamentik – Na gut, man kann daran vorbeilaufen.[…]

Die Konstruiertheit des Pavillons fällt auf; man muss sie jetzt als Teil des „Werkes“ mitsehen. Konstruktion, Installation, Struktur und „Kunst“ fallen jetzt gerade zusammen. Was ist Was? Und was ist der Unterschied? Und: Wenn man sich diese Frage stellt, hat der Zwischenraum schon die Aufmerksamkeit ganz auf sich selbst gelenkt. Mit ihm wurde der Gemachtheit selbst ein Raum eingeräumt, dem Zwischenraum und der Anschauung des Zwischenraums Gestalt gegeben… und damit der Denkbarkeit so etwas wie Zwischenräumlichkeit. […]

Diese absichtliche Offenlegung des Gemachtseins ist ein Gerüst für das sehende Denken und für die provisorische Architektur des Sinns, die ein denkendes Sehen aufstellt, um nicht haltlos zu sein; dieser Text: das Protokoll im Zwischenraum von Sehen und Denken; mal weitersehen… jetzt noch die andere Seite des ausgestellten Raums ansehen, nah an der Ornamentmusterwand vorbei zum hinteren Drittel des Pavillons; ein schwebender weißer Quader mit Lichtinstallation; natürlich schwebt er nicht, aber es soll so aussehen, und es soll so aussehen, als ob es so aussehen soll; ein schönes »Gegengewicht« zur Wandskulptur vorne jedenfalls; dafür sieht dieser Raumteil auch fertiger aus; muss er auch: Konstruiertheit fällt nur in Differenz zu einer gewissen Vollkommenheit auf. Hier sieht eigentlich alles so aus, wie man sich eine ordentliche Rauminstallation so vorstellt; aber sieht eben nur so aus – könnte sein, dass es nur raffinierter Nachbau und Zitat einer Rauminstallation ist, auch nur aufgebaut; und diffuser Klang aus dem Inneren; Zwischentöne, nicht mehr Geräusch und noch nicht Musik; Zwischenklänge, so wie die Zwischenräume vorhin, nur jetzt hörbar umgesetzt; aufhören zu denken, sonst kann man nicht in Ruhe sehend hören.

(Jürgen Stöhr)

 

Für den akustischen Aspekt der Installation wurden mit Kontaktmikrophon und Hydrophon Reibung, Berührung der und Bewegung auf Oberflächen unterschiedlicher Materialien und deren Resonanz aufgenommen. Diese Aufnahmen bilden die Basis für die Sounds, die Kai Niggemann mit seiner Surroundsoundkomposition kreierte.

Auf den Gesamtraum der Installation bezogen, komponierte er eine fünf-kanalige Audioinstallation. Diese zweite Ebene der Arbeit bildet das akustische Leben im Innenraum des Quaders. Der diffuse, umherwandernde Klang ist nicht eindeutig zu verorten oder zuzuordnen, sondern changiert zwischen Assoziation und Dissoziation und forciert neben der räumlichen und akustischen Ebene die Interpretation als dritten Raum der Wahrnehmung.