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Jiyoung SonNarturKICK OFFPhilipp HöningShinah Lee 

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Der Versuch, sich die Ausstellung „Vom Proletariat im Tennis“ zu erschließen, scheitert schon im Ansatz an den Rahmenbedingungen, die hier vom Künstler ignoriert werden. Die Ausstellung wirkt in jeglicher Hinsicht wie eine Arbeit IM Raum. Zu sehen sind minimale Eingriffe, „Degradierungen“. Die linke Flanke bekommt einen Intervall aus billigen Laminat-Fußleisten. Fotos von verpackten Autos kleben von innen an der Scheibe. Das verwendete Isolierband hält der Feuchtigkeit kaum stand, eine Arbeit liegt bereits am Boden. Die Überreste einer Ausstellungseröffnung sind zu sehen, ein paar Bierflaschen, ein Lautsprecher, der quer durch den Raum verkabelt, aber etwas verweist in der Ecke steht. Man sieht eine klassische Nach-Eröffnungs-Situation, konserviert, wie in einem Terrarium. Die Katerstimmung, die hier verbreitet wird, wird dem Plakat zur Ausstellung in keinster Weise gerecht.

 

Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist eine Publikation mit dem Titel „Loops from Hello“, der

in Frakturschrift auf dem Cover prangt. Ein Herankommen an die Bücher, die in einem Stapel grauer Pappkartons im Ausstellungsraum liegen, ist unmöglich.

Inhalt ist die ewige Wiederkunft immer gleicher Strukturen. Texte, Bäume, Fliesen, Texturen – angelegt als Typologien, genannt „Loops“ und nach musikalischen Mustern ineinander verschachtelt. Die Verschachtelung der Bilder-Loops, die dem Schichten verschiedener Rhytmen beim Beat-Bau ähnelt, täuscht nicht über die Weltsicht des Künstlers hinweg: Wir sind von einer artifiziellen Landschaft aus Investorenarchitekturen, Baumarktästhetik und durchgeplanten Naherholungsgebieten umgeben. Hier treffen sich Tennis und Proletariat: Die Wiederholung immergleicher Vorgänge als konstitutives Element des Erwerbslebens.

 

Ein Hoffnungsschimmer sind die Micro-Loops aus Field-Recordings und musikalischen Bruchstücken, die die Ausstellung begleiten. Höning hat diese zu einem wachsendem Archiv zusammengefügt, um einen Soundtrack zur Arbeit zu erschaffen, der im Laufe der Ausstellung wächst und auch nach der Finissage als eine Art Nachhall verfügbar bleibt.

 

Sarah Hasenbrink

 

Link zur Musik:

die-wand.jimdo.com/arbeiten/musik/cd1/