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Máximo Corvalán zeigt uns eine Spirale aus Imitaten von Knochenfragmenten, in denen Leuchtröhren stecken und die an die Darstellung eines DNA-Stranges erinnern. Die Knochen sind zusammengesetzt wie Teilchen von Molekülen, eine Art organische Masse, welche sich in scheinbarer Bewegung befindet und von Innen von Neonleuchtröhren beleuchtet wird. Das DNA hat sich zu einem ikonischen Konzept der vergangenen Jahre entwickelt und ist damit über die wissenschaftliche Bedeutung hinaus zu einer allgemeinen Metapher in praktisch allen Lebensbereichen geworden. Ein Interesse des Künstlers liegt auch in der Schönheit dieser subtilen Kombination abgerundeter Formen einer Spirale und dem dadurch ausgelösten Gefühl der Unendlichkeit einer Figur, die in ständiger Bewegung scheint. Der symbolische Wert der verwendeten Elemente Knochen und Licht erklärt sich durch ihren dramatischen Kontrast. Das Durchbohren der Spirale durch die Neonröhren steht für eine mysteriöse Seite, eine Art starker Vibration, die Unruhe und Verwirrung hervorruft. Es entsteht ein Dialog zwischen dem organischen und dem abstrakten Element. Das Licht einerseits präsentiert sich hier durch die gerade Linie der Leuchtröhren als eine abstrakte Komponente, welche die Dramatik der organischen Form abkühlt. Die Knochen ihrerseits, welche die Präsenz eines Kadavers evozieren, scheinen in ständiger Bewegung, vielleicht wie das unermüdliche Spiel von Tod und Wiederauferstehung der Kunst Hegels Prophezeiung des bevorstehenden Todes des Kunst im 19. Jahrhundert provoziert auch heute noch zu unterschiedlichsten Interpretationen. So gesehen befänden wir uns in der Gegenwart eines Kadavers, dessen einzige Vitalität sich auf seinen Verwesungsgeruch beschränkt. In diesem Sinne kann die zeitgenössische Kunst nichts anderes als die Summe der Werke sein, die ihr vorangingen, und nichts kann in dieser Progression ohne Ende geschaffen werden, ohne Hilfe dessen, was eigentlich schon „gestorben“ ist. Andererseits erscheint es unvermeidbar, diese Spirale aus Knochen nicht mit dem Andenken an jene nie ganz geheilten Wunden in der Geschichte Chiles oder Deutschlands in Verbindung zu bringen, als ob diese Überreste des Grauens fest verwurzelt wären mit der „genetischen Landkarte“ dieser Länder.

Máximo Corvalán ist der Special Guest im jährlichen Ausstellungsprogramm des Wewerka Pavillons. Seit Jahren gehört er zu den festen Größen der chilenischen Kunst. Die Idee, Ihn für ein Projekt im Wewerka-Pavillon einzuladen – erfolgte, nachdem eine Gruppe von Professoren und Studenten der Kunstakademie Münster im Jahr 2007 an einer gemeinsamen Ausstellung im Centro Cultural de Matucana, Santiago del Chile, teilgenommen hatten.

 

Daniele Buetti

März 2009