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F. GahrmannM.Böhler / Ch.OrendtP. SchlossK. KuznetcowaK. Ivlev 

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Die Ausstellung ALLEIN DER GEDANKE ZÄHLT widmet sich dem Phänomen des absehbaren Scheiterns gut gemeinter Absichten. Ähnlich kleinen Kindern, die in der Meinung, damit etwas Gutes zu tun, ihre Schokolade mit ihren Haustieren teilen, wollen wir unsererseits der Pflanzenwelt Dienste erweisen, die nur auf den ersten Blick den Charakter von Wohltaten besitzen. Dazu wird der Glasbau am Aasee in eine Art Gewächshaus und karitatives Zentrum für die gebeutelte Flora verwandelt, in welchem zahlreiche modellhafte Ensembles von Pflanzen und anderen Objekten installiert sein werden. Anhand dieser erproben wir diverse Varianten eines wohlmeinenden Aktionismus in Pflanzenversuchen, und tun dabei auch noch so, als ob wir ernsthaft mit positiven Ergebnissen rechnen würden.

So versorgen wir etwa Kakteen, die doch wohl eigentlich heißen Wüstenwind gewöhnt und vom mitteleuropäischen Klima sicher nicht allzu angetan sind, mit warmer Luft aus Haartrocknern im Dauerbetrieb. Durch eine Behandlung mit Heftpflastern und Plastikblüten können sich Holzlatten noch einmal an die schönen Tage ihrer Jugend erinnern. Abgestorbene Äste werden unter Anwendung von Defibrillatoren, Starkstromgeneratoren, Voodoo, Nekromantie und Esoterik beinahe wiederbelebt. Für Stiefmütterchen wird ein Kaffeekränzchen veranstaltet, und ein Kirschbäumchen bekommt ein Sommerkleidchen geschenkt, das mit seiner Frühlingsblüte harmoniert. Und für einsame Baumstämme werden eigens Homunculi erschaffen, deren einzige Aufgabe es ist, durch ausgiebige, dauerhafte Umarmungen Trost zu spenden. All dies zusammengenommen läuft letztendlich auf eine völlig überstürzte Rettungsaktion mit der Anmutung eines rücksichtslosen Zirkeltrainings für Pflanzen in einem von gänzlich irregeleiteten Pflanzenfreunden betriebenen Treibhaus hinaus.

Seit jeher versuchen die Menschen, ihre natürliche Umwelt durch gezielte Eingriffe in vorteilhafter Weise zu verändern. Doch selbst der Umstand, dass die meisten dieser Versuche besser durchdacht sind als die unsrigen, schließt ihr Scheitern und das Eintreten übler Folgen nicht aus. Anders ausgedrückt: Große Zuversicht ist auch im Bezug auf den Erfolg unserer verzweifelten Bemühungen im Wewerka Pavillon wohl fehl am Platz.