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K.Kottmann/D.NeuhausRed Fade David BadeS. Huzikiewiz / K. NiggemannJeong/Lee 

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Sun-Hwa Lee und Hae-Ryun Jeong sagen: “Seit 1989 dient der Wewerka Pavillon als das Schaufenster der Kunstakademie Münster - leider nicht immer sehr erfolgreich. Eigentlich ist ein Ziel des Pavillons, eine große Anzahl an Menschen im öffentlichen freizeitlich genutzten Raum mit Kunst vertraut zu machen. Unglücklicherweise bleibt das Interesse vieler Bürger meist aus und nur die Kunstakademie selbst schenkt ihm wirkliche Beachtung. Daher erklären wir den Pavillon für tot.“

Die These ist gewagt, ja ketzerisch. Zumindest könnte man leicht von Nestbeschmutzung sprechen, wagen es doch die Künstlerinnen, den Wewerka Pavillon in ihrem Konzept für überflüssig und abgedroschen zu erklären. Von inzestuösem Gebären, Nabelschau, vom verunglückten Schaufenster ist hier die Rede.

Weil aber Sun-Hwa Lee und Hae-Ryun Jeong nicht alle Hoffnungen aufgegeben haben oder vielleicht mehr aufgrund der künstlerischen Extravaganz sowie ihres östlichen Gleichmutes, wollen sie dem Wewerka Pavillon einen ritualisierten Tod samt Wiederauferstehung unterziehen. Wie der Phönix aus der Asche soll der Pavillon in neuem Glanz erstrahlen.

Die Fakten: die Außenscheiben des Pavillons werden mit sämtlichen Plakaten, die seit Beginn der Ausstellungstätigkeit 1989 publiziert wurden, beklebt. Vor dem Pavillon wird ein Opfertisch aufgestellt. Darauf frisches Obst, Mandeln, Reiskuchen, Fisch und Reiswein.

Es folgt eine Zeremonie, bei der die “Geister” um Hilfe gebeten werden. Hier sind unterschiedliche kultische Handlungen vorgesehen, bei denen feste und flüssige Nahrung eine zentrale Rolle einnehmen werden.

Dann, am Ende, das große Festmahl, zu dem alle Anwesenden herzlich eingeladen sind.

Staunenswert an dieser Performance der Opfergabe ist, dass ihre Wurzeln in fast allen Kulturen der Welt liegen. Wie auch der damit einhergehende Glaube, dass die Opferhandlung in der Lage sei, die Geister zu beschwichtigen und zu beeinflussen.

Sun-Hwa Lee und Hae-Ryun Jeong sehen den Pavillon als ein Wesen, das durch einen ritualisierten Tod seine Altlasten hinter sich lässt und mit neuer Vitalität seiner Widerauferstehung entgegenstrebt.

Es ist dieses Zusammentreffen von Aberglaube und künstlerischer Praxis, das uns trefflich vorführt, wie nah religiöser Nonsens und künstlerische Praxis liegen. Beide Systeme ständig bemüht, den Mensch aus seinem säkularen Jammertal fort zu holen und in metaphysische Gefilde zu befördern.

Andererseits, Kunst und Religion waren sich nie ganz fremd. Lange diente die Kunst religiösen Inhalten und kirchlichen Machtansprüchen. Mit der Aufklärung wurde die sie autonom und mit dem einhergehenden Unbehagen an der säkularen Welt wurde die Kunst zur Ersatzreligion.

Daniele Buetti

März 2010