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J. GröningC. ParkM. CorvalanI.Schilcher/A.StücherC. Joachim 

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Julia Gröning erörtert, deutet die Zusammenhänge, zerlegt sie und entwickelt in präzisen Schritten ihre Arbeit. Ihr Vorhaben ist klar artikuliert. Unmissverständlich: „Tapete mit geprägtem Mauermuster, außenseitig auf die Glasflächen des Wewerka Pavillons tapeziert. Die Volltapezierung lässt keinen Blick ins Innere des Pavillons mehr zu. Ausstellungsgegenstand wird der Bau selbst.“

So lapidar die Angaben zum Vorhaben, so komplex und reichhaltig erscheinen die Implikationen dieses Werkes. Die formalen und räumlichen Abgrenzungen zwischen Architektur und Skulptur fließen hier ineinander; eine Architektur, die weder Zweckbau noch Repräsentation ist. Als ob es um die Erkundung und Erprobung einer Gestaltung ginge, die in der Region verwurzelte Baustile aufgreift und wahlverwandschaftlich in der traditionellen münsteraner Verwendung des Backsteins steht. Dann, gleichsam als in die Gegenwart fortgesetze Kunsterkundung, lässt Julia Gröning Dan Grahams Fun House für Münster auf Per Kirkebys Backstein Skulptur aufeinanderprallen. (Beide Werke wurden im Rahmen der vergangenen Skulpturenprojekte realisiert.) Der Glaspavillon und der Backsteinbau verschmelzen im Werk I never do happy endings in einer außergewöhnlichen Demonstration von gleichzeitiger Singularität und Gemeingültigkeit.

 Es ist auch nicht relevant, ob solche Analogien den Unterbau dieses Projekts bilden. Möglich auch, dass diese Schlaufe nicht vorgesehen war. Auch die Feststellung, dass die „Mauertapete“ ein Trompe l’œil darstellt, ist bloß ein lückenhafter Versuch, das Werk in eine vorbestimmte Richtung zu drängen. Bemerkenswert ist die inhaltliche wie formale Vielschichtigkeit, welche dieser einfachen Geste ­– Tapete mit geprägtem Mauermuster, außenseitig auf die Glasflächen des Wewerka Pavillons tapeziert – innewohnt.

 Indes, wer war der Witzbold, der eines Tages auf seinem Bett sitzend, mit dem Blick starr zur Wand, überlegte: Warum nicht eine Papiertapete entwerfen mit dem Muster einer Klinkersteinwand? Eine jener Fassadenbauten, die in der münsteraner Architekturgeschichte so beliebt sind. Hatte er Liebeskummer? Zahnschmerzen? Sehnsucht nach Schwedischen Gardinen? Oder hatte er die historischen Windungen der Backsteinarchitektur ganz und gar traumatisch verinnerlicht? Wie auch immer, wir werden es nie erfahren. Was bleibt ist eine Vielzahl von Windungen und Irrungen im Angesicht der Bedeutung, die die Tapete in einigen industrialisierten Ländern einnimmt: Als Garantin eines Gefühls von Behaglichkeit und Wärme.

 Aber, wiederum, was hat das alles mit Julia Grönings Vorhaben zu tun? Was mit dem Wewerka Pavillon? Ein wahrlich eigenwilliger Bau, an dem schon Einiges erprobt worden ist. Ein Ort, der selber vieles sein will und wenig vermag. Es dürfen weder musikalische Sommerabende im Innern stattfinden, noch darf er Bühne für einen Autosalon sein. Kunst darf zwar hinein. Menschen nicht. So die Sicherheitsbestimmungen.

Daher spaziert Julia Gröning an der Anlage vorbei und sinnt nach: „Ich stelle mir vor, dass ich am frühen Abend im Aasee-Park stehe. Plötzlich summt die Luft und vom Himmel kommt der Wewerka Pavillon angeflogen. Mit blinkendem Licht und allem, wie in Unheimliche Begegnung der dritten Art von Steven Spielberg. Das Ufo klappt seine Stahl-Beine aus – und steht da mit einem blöden Bauch aus Mauertapete.“

Daniele Buetti
September 2009