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F. GahrmannM.Böhler / Ch.OrendtP. SchlossK. KuznetcowaK. Ivlev 

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Überdimensional und monumental liegen sie da, die 19 acht-kantigen, weißen „Diamanten“. Der Wewerka Pavillon wirkt voll, die Skulpturen nehmen viel Raum in Anspruch. Trotz des Volumens besitzen sie eine gewisse Leichtigkeit. Sie sind fragil, weil sie, wie im Modellbau, aus naturweißem Karton ausgeschnitten und verklebt wurden. Der Diamant zählt zu den seltensten Rohstoffen der Erde. Er wird wegen seiner Schönheit zu Schmuck verarbeitet und wegen seiner unvergleichlichen Härte zu Werkzeug gemacht. Je reiner der Diamant, desto kostbarer ist er. Aus Pappe angefertigt, sind diese Diamanten, konträr zu ihren Vorbildern, empfindlich gegen Stöße, Feuchtigkeit, Dreck und Feuer. Karton ist ein Produkt von vergleichsweise geringem Wert, das dennoch Ausgangsprodukt zahlreicher kreativer Prozesse ist.
Präsentiert werden die „Diamanten“ auf schwarzem Velours. Beim Juwelier dient dieser dazu, Diamanten in vollem Glanz erstrahlen zu lassen. Das Licht bricht sich in ihren Facetten, das das edle Tuch absorbiert und sie damit umso brillanter glitzern lässt. Im Wewerka Pavillon erstrahlen die weißen, matten Pappdiamanten, Modelle eines vollendeten Objektes, von Natur und Mensch gemacht.
„For The Love of God“, 2007, nennt Damian Hirst seinen in Platin abgegossenen und mit 8.601 feinen Diamanten besetzten Totenschädel. 13 Millionen Pfund musste er alleine für die Diamanten bezahlen, die Arbeit gilt seither als das teuerste zeitgenössische Kunstwerk aller Zeiten.
Friederike Gahrmann bleibt von diesem Feuerwerk der Superlative völlig unbeeindruckt. In ihrer Arbeit wird die Buchstäblichkeit von Material und Form gebrochen, mögliche Vorbilder wirken wie ferne Erinnerungen. „Le montage“ lässt die unterschiedlichsten Assoziationen in den Köpfen der BetrachterInnen entstehen, lässt Raum für Phantasien und Wünsche.
Auf einer Metaebene erzählt die Installation davon, wie Wert entsteht, künstlerischer ebenso wie Geldwert, welche Materialien als künstlerische angesehen werden und was der Künstler / die Künstlerin daraus machen kann. Sie thematisiert, dass Kunst ein Metier ist, in dem banales und billiges Material geformt werden und eine neue Bedeutung erhalten kann. Der Weg von einem geglückten Kunstwerk zu einem wertvollen kann sich als ein weiter, schwieriger erweisen. Friederike Gahrmann führt uns eine ironische Abkürzung vor Augen, indem sie Pappdiamanten produziert, die wunderschön und fremd im Wewerka Pavillon liegen.