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Yoana TuzharovaDaniel Tripp 

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„Karoshi“ bedeutet „Tod durch zu viel Arbeit“. In Japan bezeichnet das Wort einen plötzlich auftretenden Tod, dessen Ursache meist in stressbedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen begründet liegt. Dieses Phänomen der völligen Erschöpfung und Überarbeitung greift Daniel Tripp auf und überträgt ihn auf das japanische Theater, indem er den gläsernen Pavillon auf der Aasee-Wiese als temporäre Noh-Bühne begreift. Inspiriert von den räumlichen und zeitlichen Strukturen des Noh-Theater knüpft Tripp an die Situation der Schauspieler an, die von frühester Kindheit ausgebildet werden, täglich für ihre Rollen proben und bis ins späte Alter hinein auf der Bühne stehen, bis sie dort sogar manchmal zusammenbrechen. Ausgehend von der traditionellen Bühnenaufstellung arrangiert Tripp eine improvisierte und gleichsam verwaiste Theaterszenerie, in der Maschinen die Funktionen der Schauspieler übernehmen. Ein paar Socken schleift über einen hölzernen Steg, schrill und unablässig pfeift eine Flöte dazu. Ein halbhoher Paravent teilt in seiner Bewegung den Raum, schafft Blickwinkel und versperrt im Gegenzug auch solche. Zeitschaltuhren setzen die mechanischen Objekte in unregelmäßigen Intervallen in Gang und lassen aus dem schleierhaft zusammengesetzten Bühnenbild ein bizarres Gebilde entstehen, welches aktiv wird und wieder verstummt. Der sonst sehr strenge und feierliche Charakter des Noh-Theater wird gebrochen, assoziativ erweitert und humorvoll dekomponiert. Während die einzelnen Elemente in diesem 'Spiel für die Götter' durch ihre Neukontextualisierung mit Bedeutungszuschreibungen und Narrativen spielen, drängt mit Blick auf 'Karoshi' zugleich die Frage in den Vordergrund, welche Rolle der Mensch als austauschbares Modul innerhalb eines getakteten Systems innehat.