Wewerka Logo Unterschrift
ArchivÜber den PavillonKontakt/ImpressumLinks 
Aktuell201720162015201420132012201120102009200820072006Plakate 
D. SalewskiT. FrölichK. WegemannS. WewerkaH.J. Lee 

###DEBUG###






...Turbulenzen...

Fünf ganz normale grüne Plastiktüten, wie man sie am Wochenmarkt bekommt, tanzen, manchmal jede für sich, manchmal formieren sie sich zu Gruppen, eine reißt aus, fliegt hoch in die Luft, eine zweite gesellt sich hinzu, dann purzeln sie eine Zeitlang am Boden entlang… manchmal versucht eine zu entkommen, hinter den Ring von 20 Industrieventilatoren, die die Tüten umzingeln. Es entsteht eine spannende Choreographie, die konstruiert und geplant aussieht und doch auch dem Zufall überlassen ist.

Damaris Salewsi installiert 20 Industrieventilatoren im Wewerka Pavillon, von denen jeweils zwei einander gegenüberstehen. Wo sich die beiden Luftströme treffen, entsteht ein Wirbel, eine Turbulenz, wie der Titel sagt. In der Mitte schließlich treffen die Winde aller 20 Ventilatoren zusammen. Zur genauen Berechnung der Vorgänge hat Frau Salewski mit einem Windexperten der Universität Oldenburg Professor Peintke, zusammengearbeitet. Durch ausgedehnte Tests hat die Künstlerin die exakte Stellung der Ventilatoren eruiert.

Anders als in der Kinetischen Kunst der Moderne von Naum Gabo oder Jean Tinguely spielt bei Salewski der Zufall eine viel größere Rolle. Durch die Stellung der Ventilatoren entstehen relativ genau berechnete Luftströmungen, jedoch sind die Bewegungen der Tüten, wie der Wind sie jeweils tangiert und welche Bewegung dadurch entsteht, nicht vorherzusagen. Das genau macht den großen Reiz aus und die Spannung, die im Betrachter entsteht, der nie wissen kann, was als nächstes geschieht. Er befürchtet oder hofft, dass eine Tüte den Turbulenzen entkommt. Die Arbeit konstituierend ist außerdem der Widerspruch zwischen der Ästhetik der Industrieventilatoren, die schöne klare Metallobjekte sind, und den schäbigen, wertlosen Tüten, die jedoch die Hauptrolle spielen, die zu Primaballerinen aufgestiegen sind. Nicht zu vergessen, dass sich das Geschehen in einem geschossenen Glashaus auf den Aaseewiesen abspielt.

Damaris Salewski, *1978, ist Meisterschülerin bei Guillaume Bijl. Es war dies ihre erste Einzelausstellung. Sie beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit, vorwiegend Installationen, mit alltäglichen Gegenständen, die sie aus ihrem Alltag herausnimmt und in den Ausstellungsraum transferiert, um sie dort mit technischen Mitteln zu bearbeiten. So stellte sie beispielsweise beim Rundgang der Kunstakademie Münster 2005 ein Auto in die Eingangshalle der Kunstakademie, dessen Motor dem Anschein nach lief und stellte so die Wahrnehmung der BetrachterInnen auf die Probe.

Salewski sagte in einem Gespräch mit mir: "Auf Beobachtungen von Luftverwirbelungen in der Natur beruht meine Idee, der Statik und Masse des Pavillons die Leichtigkeit einer von Luftströmungen getragenen Plastiktüte entgegenzusetzen."

Hildegund Amanshauser