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J. GröningC. ParkM. CorvalanI.Schilcher/A.StücherC. Joachim 

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„Von Anfang an steht der Wewerka Pavillon an der Schnittstelle zwischen Architektur und Skulptur und bildet paradigmatisch eine symbiotische Verschmelzung der beiden Gattungen.“ So steht es im allgemeinen Pressetext zum Wewerka-Pavillon.

 

Nun tritt Christoph Joachim ins Spiel und erweitert diese Urbedingung um eine nicht minder entscheidende dritte Gattung: Die der Malerei. Von innen bemalt er die Fenster des Pavillons und schafft eine, wie er selber sagt, „Gemalte Hängung“. Interessant an seinem Vorgehen ist, dass der Künstler nicht die gesamten Fensterflächen als Bildbegrenzung definiert, sondern sich für eigene, „kleinere Bildformate“ entscheidet. Dieser Kunstgriff ermöglicht ihm, die Schaufenster sozusagen zu Museumswänden umzudeuten. Der Raum changiert zwischen Transparenz und Dichte. Dazu Christoph Joachim: „Ich begreife dabei die Unmöglichkeit, Malerei in diesem Glaskubus zu realisieren als eine große Herausforderung, da es ja eigentlich keine klassischen Wände gibt, sondern Schaufenster, die ich aber zu Wänden machen will. Es wird somit gleichzeitig eine fiktive und doch tatsächliche Hängung von Bildern geschaffen, obwohl dort eine normale Hängung unmöglich erscheint.“

 

Zuerst ist es Buttermilch, die als Bindemittel mit Pigmentfarben gemischt, direkt auf die Glasfenster aufgetragen wird. Dass Buttermilch sich leicht abtragen lässt, mag für die technischen Überlegungen eine Rolle gespielt haben. Entscheidender jedoch ist die verblüffende Vielfältigkeit dieser Substanz: Die Mischung kann pastos, aquarelliert oder transparent aufgetragen werden. Darüber hinaus lässt sich die Farbe herauskratzen oder wegschaben – ein weiteres Gestaltungsmittel im Malprozess.

 

 

 

Schon durch die hohen Fenster der gotischen Kathedralen drang das Licht wuchtig und erhaben ins innere der Kirche. Dies verzauberte die Gläubigen und versetzte sie in tiefe Andacht. Christoph Joachim orientiert sich gestalterisch und thematisch an dieser Tradition: Der transparente Farbauftrag lässt durch die verschiedenen Lichtsituationen zu Tages- und Nachtzeiten (mit Innenbeleuchtung) unterschiedliche Ansichten und Atmosphären entstehen. Auch wird - wie bei Kirchenfenstern - bei entsprechendem Lichteinfall, der von aussen durch die farbigen Glasbilder bricht, noch eine dritte Fläche, der Boden, immanenter Bestandteil des Werks.

 

 

 

Biblische und mythologische Themen bilden den thematischen Schwerpunkt der Arbeit. Motivisch steht der Kopf im Mittelpunkt. Bis vor kurzem arbeitete der Künstler an der „Galerie der Verdammten“ sowie an den Apostelköpfen Tilman Riemenschneiders.

 

 

 

Schon einige haben sich mit dem Medium Malerei an dem Wewerka-Pavillon versucht. Keiner davor hat aber diese Herausforderung derart souverän und präzise gelöst wie Christoph Joachim.

 

 

 

Daniele Buetti